Ahnentafelrecherche um dem persönlichen Zuchtziel näher zu kommen.
- den Stammbaum horizontal und vertikal lesen -

In Büchern kann man oftmals lesen „Züchter werden ist nicht schwer, Züchter sein dagegen sehr“. Was heißt züchten - züchten heißt in erster Linie Verantwortung übernehmen, bereit sein sich mit der Grundgenetik auseinanderzusetzen und sich entsprechendes Fachwissen anzueignen. Eine Hobbyzucht schließt Professionalität schließlich nicht aus.

Ein Züchter beschäftigt sich - so sollte es jedenfalls sein - mit den Linien seiner Hunde und deren Ahnen soweit es ihm möglich ist. Ein Züchter  sammelt Daten über diese Hunde, die viele Generationen zurückverfolgt werden können. Dazu gehört viel Zeit und Geduld um Kontakte zu knüpfen und diese Kontakte zu pflegen. Jetzt ist es wichtig, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Nur so kann man sicher sein, Informationen zu bekommen, die auch vertrauenswürdig sind. Wie man sich vorstellen kann, kann dies unmöglich in kurzer Zeit geschehen.

In unserer heutigen, virtuellen Welt hat jedoch ein Züchter außer den zuvor genannten Möglichkeiten noch andere. Es gibt z.B. www.offa.org, wo man sich Daten über Hüftgelenkserkrankungen (Hipdysplasie), Ellenbogen (Patelladysplasie) oder Schilddrüsenerkrankungen (Thyroid) anschauen kann. Dazu braucht man relativ wenige Englischkenntnisse. Den Namen der Vorfahren seiner Hunde kann  man  dem Stammbaum entnehmen. Nun kann’s losgehen und man versucht seinen Hund oder dessen Ahnen  in dieser Datenbank zu finden.

Der amerikanische Kennelclub bietet außer Daten hierüber auch sehr interessante Artikel zum Lesen an. Einer davon ist, wie wichtig es ist einen Stammbaum nicht nur vertikal (von oben nach unten) sondern auch horizontal (von links nach rechts) zu lesen. Und darüber möchte ich in meinem Artikel etwas berichten.

Ein Züchter möchte mit jedem Wurf die Qualität seiner Hunde „verbessern“. Sowohl phänotypisch wie auch genotypisch. Beim Phänotyp sehen wir nur, ob der Hund sich in einer harmonischen Gesamterscheinung zeigt.
Genotypisch deshalb, weil sich hinter jedem Gen Make-up  leider auch Erberkrankungen verbergen können, die man weitgehend minimieren möchte.
Für  unserer Rasse haben wir wenigstens einen Marker der eine Erberkrankung völlig auszuschließen kann, die Hämolytische Anämie bzw. auch Pyruvatekinasedefizienz (PKD) genannt. Leider haben wir noch keinen Marker für Fanconi oder PRA; in meinen Augen die markantesten Erberkrankungen in unserer Rasse.

Und jetzt komme ich wieder auf die Stammbaumrecherche zurück! Man sollte einen Stammbaum nicht nur anschauen und lesen wie einen Brief, nämlich von links nach rechts (horizontal). Meistens sind nur 3 oder 4 Generationen abgedruckt, also die direkten Ahnen  wie Eltern, Großeltern und Urgroßeltern – eine traditionelle horizontale Stammbaumansicht.

Bei einer Stammbaumrecherche sollte man aber den Stammbaum horizontal und vertikal „beleuchten“ um möglichst viel Aussagekraft zu haben. Was heißt das?

Nehmen Sie die Eltern eines Hundes und deren  Vollgeschwister (aus einem oder versch. Würfen). Dasselbe mit den Großeltern und den Urgroßeltern, schon haben Sie eine umfangreiche Ahnenreihe vor sich, weit mehr als bei einer Recherche mit einem horizontalen Stammbaum.
Aber bleiben wir erst mal bei den Eltern und deren Vollgeschwister. Vollgeschwister repräsentieren als „Gruppe“ verschiedene Kombinationen von Genen, die sie von ihren Eltern geerbt haben. Diese Vollgeschwister dienen somit als guter Indikator von Möglichkeiten die sie weitervererben könnten. Auch Informationen von Tanten und Onkeln sind wichtig um sich ein vollständigeres Bild machen zu können.
Man sieht, Hunde, die nicht auf dem traditionellen Stammbaum sichtbar sind, können Einfluss auf die Weitervererbung haben, u.U. mehr als Hunde im traditionellen Stammbaum in der 4. oder 5. Generation.

Hilfreich wird so ein Abwägen besonders dann, wenn Multigene (Gene auf verschiedenen Genorten) oder andere komplexe Vererbungsgänge verantwortlich sind für das phänotypische Aussehen und das genotypische Erbgut eines Hundes. Mit dem Studium des horizontalen/vertikalen Stammbaumes können Sie eine Vielzahl an Informationen sammeln um ihrem Zuchtziel ein ganzes Stück näher zu kommen.

Beispiel anhand der HD Vererbung, wie man weiß, eine Polygenetische Vererbung:

Großvater: Übergang

Vater: frei

Großmutter: frei

Deckrüde A:
Übergang

Großvater: frei

Mutter: frei

Großmutter: frei


Großvater: Übergang

Vater: frei

Großmutter: frei

Deckrüde B:

frei

Großvater: frei

Mutter: frei

Großmutter: frei

Schauen wir uns dieselben Tabellen an, jedoch mit Geschwistern, Tanten und Onkeln:
(die Zahl gibt die Anzahl der Geschwister / Eltern / Tanten & Onkel an, darunter die Ergebnisse der HD Auswertung – nicht alle Geschwister etc. sind untersucht worden).

Tabelle Deckrüde „A“

Großvater:Übergang

6 Geschwister:

frei

frei

Vater: frei

8 Geschwister:

Übergang

Übergang

frei

frei

Großmutter: frei

8 Geschwister:

frei

HD

Deckrüde A:
Übergang

7 Geschwister:

Übergang

Übergang

frei

frei

frei

frei

Großvater: frei

? Geschwister

Mutter: frei

10 Geschwister:

Übergang

Übergang

Übergang

frei

frei

HD

Großmutter: frei

9 Geschwister:

frei

 


 

Tabelle Deckrüde “B“

 

Großvater:Übergang

7 Geschwister

Übergang

Übergang

frei

frei

Vater: frei

7 Geschwister:

Übergang

frei

frei

frei

HD

Großmutter: frei

? Geschwister:

Deckrüde B:
frei

9 Geschwister

Übergang

Übergang

frei

HD

HD

HD

HD

Großvater: frei

10 Geschwister:

Übergang

HD

HD

HD

Mutter: frei

6 Geschwister:

Übergang

Übergang

HD

HD

Großmutter: frei

6 Geschwister:

Übergang

frei

frei

Wir sehen in der Auswertung des Deckrüden A, dass dieser vorherrschend normale Hüften in seiner Ahnenreihe aufweist. Man darf demnach annahmen, dass dieser Deckrüde in seinem Gen Make-Up überwiegend normale Hüften weitervererben wird.

Im Gegensatz zu den Auswertungen des Deckrüden B, der ca. jeweils die Hälfte normaler und displastischer Hüften aufweist. Obwohl der Deckrüde selbst gute Hüften aufweist, darf man annehmen, dass dieser Rüde ein höheres Risiko mitbringt displastische Hüften zu vererben. In jedem Fall wird dieser Stammbaum keine Reduzierung der HD in den Folgegenerationen aufweisen.
Nicht alle Stammbäume werden so „klar“ erscheinen wir die zwei genannten Beispiele, aber HD ist relativ gut erforscht und man weiß, dass 60% genetisch bedingt sind und die restlichen 40% der Umwelt zuzuschreiben sind.
Bei anderen Erberkrankungen müssen evtl. andere Faktoren noch berücksichtigt werden wie z.B. Häufigkeit des Auftretens oder an wievielter Stelle/Generation im Stammbaum treten sie in Erscheinung. Ganz klar, Hunde die unmittelbar hinter Vater / Mutter stehen, haben einen höheren genetischen Einfluss als Hunde in der 4. oder 5. Generation.

Damit ist sicher aufgezeigt, wie wichtig es ist, Daten zu sammeln und für sich zu archivieren.

© Uschi Grewe, ti-n Abou Teka Basenjis seit 1987

Quelle: Internetrecherche und offa.org

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